Geschichte

der Stadt Röbel/Müritz - ein Blick in die Vergangenheit

Das heutige Röbel/Müritz kann auf eine lange, sehr bewegte und interessante Historie zurückblicken. Sie entstand bereits im 10. Jahrhundert als suburbane Siedlung vor einer der Hauptburgen des slawischen Stammes der Morizaner neben einem Tempelberg, den seit dem frühen 13. Jahrhundert eine der beiden Kirchen des beschaulichen Städtchens krönt. Diese, später als Altstadt bezeichnete Markt– und Dienstleistungssiedlung, gehört zusammen mit Plau und Güstrow zu den frühen Stadtgründungen von Heinrich Borwin II., Urenkel Niklots, der als Stammvater der mecklenburgischen Herzöge gilt.

Im Zusammenschluss des alten slawisch-deutschen Kerns mit der neu entstandenen deutschen Siedlung schuf Heinrich Borwins Sohn, Nicolaus von Werle, 1261 die „Neue Stadt Robole“ mit einer erweiterten Feldmark, deren Grenzen bis heute fast unverändert geblieben sind. Die Burg Röbel, die erstmals 1227 ihre urkundliche Erwähnung findet, wurde erst danach zu einem Residenzschloss des Landesfürsten ausgebaut. Nach dessen Zerstörung in den Wirren des 15. Jahrhunderts wurde auf dem Burgberg eine Windmühle errichtet.

historische AnsichtKüheKirchplatz

Während die meisten anderen mecklenburgischen Städte sich zu geschlossenen Einheiten entwickelten, spielte sich in dem bereits durch die Grenze zweier Bistümer aufgeteilten Röbel eine erneute Trennung zwischen der befestigten Neustadt und dem nur durch Seen und Sumpf geschützten ehemaligen slawischen Ortsteil ab:
Alt- und Neustadt blieben fortan zwar verbunden, unterschieden sich jedoch stark in ihrer sozialen Struktur. Die Neustädter Kaufleute und Handwerker, die seit der Gründung der deutschen Siedlung vom Landesherren mit Ackerland belehnt wurden („Ackerbürger“), verschafften der ummauerten Neustadt einen gewissen Wohlstand. Der Altstadt hingegen mit ihren Bauern und Fischern wurden die städtischen Privilegien verwehrt, was über Jahrhunderte teils erbittert geführte Rechtsstreitigkeiten nach sich zog. Im Grundriss der Stadt, deren Straßenführung sich seit dem Mittelalter kaum gewandelt hat, ist diese Trennung auch heute noch deutlich zu erkennen - eine städtebauliche Besonderheit.

Mit der Verlegung der werleschen Residenz nach Waren 1362 verminderte sich der regionale Einfluss Röbels zusehends. Die zunehmenden hausgemachten Querelen, sowie eine beträchtliche Anzahl schwerer Brände und die seit dem 30jährigen Krieg bis zum Ende der napoleonischen Besetzung fortwährenden Kriegslasten setzten der einst wohlhabenden Vorderstadt schwer zu. Erst um 1830 wurde wieder die Bevölkerungszahl des 16. Jahrhunderts erreicht. Die wirtschaftliche Gesundung verdankte Röbel nicht zuletzt der klugen Führung der Bürgermeister Engel und Hermes, die über fast das gesamte 19. Jahrhundert die Geschicke der Stadt lenkten.

historische AnsichtMarienkircheWassersport

Angeschlossen an die Binnenwasserstraße von der Havel über die oberen Seen bis zur Elbe, diente der vor 1840 neu angelegte idyllische Stadthafen für rund 130 Jahre der Verlastung von Schüttgut und Holz und dem bis heute anhaltenden Passagierverkehr. Schon 1855 begann man mit der Errichtung des Gaswerkes, dem 1902 das Stadtkrankenhaus und kurze Zeit später ein Wasserwerk folgten. Eine Stichbahn in Anbindung an das Schienennetz zu den großen Metropolen Hamburg und Berlin erhöhte ab 1899 die Bedeutung Röbels als Umschlagplatz agrarischer Produkte. Neben Brauerei, Molkerei, Mühlenbetrieben sowie einer Kartoffelflockenfabrik, hielt sich das Handwerk als traditioneller Wirtschaftsfaktor in der Versorgung des agrarischen Umlandes und der Stadt selbst.
Röbels unbestrittene Postkartenidylle zog in der ferneren Vergangenheit nicht nur Berühmtheiten wie Fritz Reuter und Heinrich Schliemann an – seit Ende des 19. Jahrhunderts nimmt der touristische Faktor stetig zu, wirtschaftlich bedeutsam wurde dieser aber erst nach 1960.

Von 1952-1994 Kreisstadt und während der sozialistisch geprägten Zeit auch mit einigen größeren Betrieben versehen, erreichte Röbel vor der Deutschen Einheit erneut einen Gipfel in seiner Entwicklung: Die Stadt zählte mehr als 7000 Einwohner, saisonal durch eine Vielzahl von Urlaubern bereichert. In Folge der Verlegung der Kreisbehörden nach Waren sowie der strukturellen Veränderungen am regionalen Arbeitsmarkt hat sich die Einwohnerzahl über die letzten 20 Jahre stetig vermindert. Heute zählt der staatlich anerkannte Erholungsort knapp über 5000 Bürger. Hervorzuheben bleibt jedoch, dass durch umfangreiche Stadtsanierung, Ansiedlung neuen Gewerbes, guten Zuwachsraten im nationalen und internationalen Tourismus und erhebliche Erweiterung des kulturellen Angebots eine vorsichtig positive Gesamtentwicklung Röbels zu verzeichnen ist.

AltstadtRuhe, Beschaulichkeit und eine gute Mischung aus Tradition und Moderne machen Röbel an der Müritz zu einem der beliebtesten Urlaubsorte an der Mecklenburgischen Seenplatte. Attraktiv zeigt sich der „bunte Hafen am Kleinen Meer“ mit seinem stetig schöner und verjüngt wirkenden Gesicht, ohne jedoch dem ganz eigenem Charme untreu zu werden.
Zwei frühgotische Backsteinhallenkirchen, farbfreudig restaurierte Fachwerkhäuser, kleine Winkel mit Brunnen und Bänken sowie viel Grün prägen das einladende Ambiente dieser historisch und städtebaulich bedeutsamen kleinen Stadt am größtem Binnensee Deutschlands.

Eine differenziertere Zeittafel Röbeler Geschichte finden sie hier